Eisenbahnfreunde der WZTE Zeven e.V.



Aus der Zevener Zeitung


Ein Stück Eisenbahner-Tradition endet

Letzte Kohlfahrt auf der Schiene führt Zevener Fahrgäste über Bötersen nach Kuhmühlen

VON WOLFGANG MILLERT

In der 36-jährigen Geschichte der Eisenbahnfreunde gehörte eine jährliche Kohlfahrt per Triebwagen zum festen Bestandteil des Jahresprogramms. Immer wurden Gaststätten ausgewählt, die per Triebwagen auf den EVB-Gleisen erreicht werden konnten. Auch das einstige Vereinshaus am Ostereistedter Bahnhof gehörte zu den Zielen. Die ehemalige Gaststätte Brünings in Wilstedt wurde angesteuert, andere Touren führten in den „Heidenauer Hof“, zum „Hauptbahnhof“ Basdahl-Kluste, nach Heinschenwalde, in den „Eichenhof“ nach Waffensen und zu anderen Orten guter Gastlichkeit.

Ein besonderes Ereignis gab es 1999, als die Eisenbahnfreunde auf ihrer Kohltour den Bahnsteig in Bötersen einweihten. Hier hatten Dorfbewohner unter tatkräftiger Mithilfe des örtlichen Eisenbahnfreundes Fritz Müller den einzigen Haltepunkt hergerichtet, der von den Zevenern bei ihren Sonderfahrten auf der EVB-Strecke in Richtung Rotenburg regelmäßig genutzt wird.

So steuerte der rote Moorexpress, Baujahr 1956, am Sonnabend mit zwei Dutzend Kohlfahrern, darunter eine Gästegruppe, vom Zevener Südbahnhof zunächst Bötersen an, um nach kurzer Tankpause, wieder über Zeven, zur Endstation nach Kuhmühlen zu gelangen. Weil die Strecke zwischen Zeven-Nord und Heeslingen momentan mit neuen Gleisen und Schwellen ertüchtigt wird, sind die automatischen Lichtzeichenanlagen nicht im Betrieb. Den Verkehr sicherten die Eisenbahnfreunde am Bahnübergang an der B 71 in der Bremervörder Straße dann reibungslos per Signalflagge.

Einen weiteren Stopp mit Ausstieg gab es am Sonnenkamp für die Fahrgäste, die nun einen Fußmarsch durch den leicht verschneiten Wald, vorbei an den „Hühnerställen“, zum Heeslinger Bahnhof absolvierten. Von dort ging’s schließlich zum Haltepunkt Kuhmühlen und den letzten Kilometer zu Fuß zum deftigen Kohlessen in „Schröders Gasthaus“ nach Groß Meckelsen. Das sollte dann die letzte Kohlfahrt auf der Schiene gewesen sein, jedoch werden die Sonderfahrten zum Osterhasen und zum Nikolaus sowie die großen Jahres und Weihnachtsmarktfahrten weiterhin von den Eisenbahnfreunden durchgeführt. Einzelheiten werden auf der Generalversammlung am 23. März in der Alten Bahnmeisterei am Südbahnhof festgelegt und rechtzeitig in der Presse bekanntgegeben.

FOTOS: MILLERT





Aus der Zevener Zeitung


Buden und "Grüne Zitadelle"

Sonderfahrt der Eisenbahnfreunde Zeven führt 270 Fahrgäste zum Weihnachtsmarkt nach Magdeburg

VON WOLFGANG MILLERT

Nachdem die Eisenbahnfreunde Zeven in der Vergangenheit bereits die Weihnachtsmärkte der neuen Bundesländer in Schwerin, Rostock, Quedlinburg und Wernigerode besucht hatten, stand in diesem Jahr eine Sonderfahrt nach Magdeburg auf dem Programm.

Nach dreieinhalbstündiger, zügiger Fahrt erreichten die drei EVB-Lint-Doppeltriebwagen mit 270 Passagieren an Bord von Bremervörde, über Selsingen, Zeven, Bötersen, Rotenburg, Verden, Hannover, Braunschweig und Helmstedt die Hauptstadt von Sachsen-Anhalt.

Die Innenstadt präsentiert sich im weihnachtlichen Lichterglanz und lockt im Schatten des Rathauses und der Johanniskirche die Besucher auf den Weihnachtsmarkt. Der Festplatz zeigt sich als rustikale, saubere Budenstadt mit vielen landestypischen lukullischen Spezialitäten. Natürlich gehört eine Original Thüringer Bratwurst dazu, wie auch die herzhaft angeräucherte Schlackwurst, Stolberger Lerchen oder die unvergleichlichen Halberstädter Bockwürste.
Erstaunlicherweise wird an wohl einem Dutzend Stände das norddeutsche Nationalgericht Grünkohl mit unterschiedlichsten Zutaten, die man einzeln extra bestellen kann, angeboten. Grützwurst, Speck und Kohlwurst zählen dazu, indes sucht man den typischen Bremer Pinkel vergebens.

Unterhalb der Kirche gibt es einen mittelalterlichen Handwerkermarkt, wo Kunstschmiede an offenem Feuer das Eisen formen und Gaukler ihre Späßchen treiben. Daneben gleich die nordische Meile, auf dem schwedische Köttbullar und dänisches Smörrebröd ebenso zu haben sind wie original finnischer Bienenhonig.
Ein paar Straßenzüge weiter erhebt sich am Breiten Weg mit der „Grünen Zitadelle“ das wohl bemerkenswerteste modernste Magdeburger Gebäude. Der Name ist auf die begrünte Dachfläche zurückzuführen, obwohl das Gebäude von hellem Rosa-Anstrich dominiert wird. Vergeblich sucht der Betrachter hier symmetrische Wandflächen und gleichartige Fenster. Das nicht unumstrittene Haus wurde von dem Künstler Friedensreich Hundertwasser als letztes seiner eigenwilligen Bauwerke entworfen.

Zu Füßen des imposanten Baues befindet sich ein Fleckchen mit dem beziehungsreichen Namen „Winterzauber“. Mit ein paar liebevoll gestalteten Ständen erinnern die auf dem Pflaster ausgestreuten Hackschnitzel ein wenig an den kuscheligen Zevener Weihnachtsmarkt. Die freundlichen Standbetreiber an der „Grünen Zitadelle“ freuen sich über jedes lobende Wort und danken es ihren Kunden mit wesentlich günstigeren Angeboten als auf dem großen Weihnachtsmarkt nebenan.

Nach gut vier Stunden hatten die Gäste aus dem Landkreis Rotenburg genug Weihnachtliches gesehen und ausgiebig in den Geschäften der Großstadt Magdeburg gestöbert, als der Sonderzug dann Richtung Heimat startete und gegen 21.30 Uhr wieder den Zevener Südbahnhof/Han. sicher erreichte.

FOTOS: MILLERT